Hobby: Visitenkarten sammeln

Visitenkarten zu sammeln ist heute ein nicht sehr weit verbreitetes aber tolles Hobby. Aber was hat es überhaupt mit Visitenkarten auf sich, seit wann gibt es sie und wofür waren sie ursprünglich gedacht?

Die Visitenkarte heute

Auf einer Visitenkarte stehen heute gewöhnlich der Name, die Adresse, die Telefonnummer und die Email-Adresse des Besitzers, bei Firmen-Visitenkarten darüber hinaus auch noch der Firmenname, die Geschäftsadresse, der Titel und die Funktion des Kartenbesitzers, die Geschäftsadresse und das Firmenlogo. Die Rückseite ist sehr unterschiedlich gestaltet und kann zum Beispiel eine Anfahrtsskizze, ein Foto, einen Sinnspruch oder eine Werbung enthalten. Heute tauscht man Visitenkarten allgemein beim Erstkontakt mit seinen Mitmenschen oder Geschäftspartnern aus. Man vermeidet damit, dass sich der Erhaltende die Kontaktdaten notieren muss.

gesammelte Taxi Visitenkarte
Visitenkarten erfüllen im besten Fall eine praktischen Zweck

Die historische Geschichte der Visitenkarte

Früher hatten Visitenkarten einen ganz anderen Zweck. Man überreichte sie beim Besuch in einem gesellschaftlich hochstehenden Haus dem Diener oder der Empfangsdame, die sie dann den Herrschaften überreichte. War niemand zu Hause, diente die Visitenkarte als Zeichen dafür, wer seine Aufwartung gemacht hatte. Durch eine bestimmte Knickung oder eine geläufige Abkürzung wurde oft auch der Zweck des Besuches vermerkt. Es lässt sich nicht genau sagen, seit wann es die Visitenkarten gibt. Möglicherweise haben schon die alten Ägypter ähnliche Papyrus-Kärtchen benutzt, auch bei den Römern und Griechen war es bei höher gestellten Personen wahrscheinlich Sitte, seinen Besuch bei der Dienerschaft anzumelden. Im China des 15. Jahrhunderts soll es Visitenkarten aus Ton gegeben haben, die so groß und schwer waren, dass ein gesonderter Lakai sie bei Besuchen tragen musste.

Erste Beweise für Visitenkarten

Wirkliche Beweise für Besucher-oder Visitenkarten wurden aber nicht gefunden. Aus dem 17.Jahrhundert sind allerdings heute noch Visitenkarten erhalten. Damals gehörte es in den Adelskreisen Englands und Frankreichs zum guten Ton, solche Karten zu überreichen. Sie waren auch bei höfischen Veranstaltungen vorgeschrieben, hier las der Zeremonienmeister Name und Titel für die öffentliche Vorstellung ab. Bald danach tauchten Visitenkarten überall in Europa auf und waren nicht mehr dem Adel vorbehalten. Auch das Bürgertum verwendete sie. Im 18.Jahrhundert boten viele Druckereien Visitenkarten an, bekannt ist zum Beispiel die Berliner „Vossische Zeitung“, die 1870 Reklame für das Drucken von Visitenkarten machte. Aber auch außerhalb Europas waren und sind Visitenkarten in Gebrauch.

Andere Länder andere Sitten

Bei den Japanern zum Beispiel hat die hier „Meishi“ heißende Visitenkarte noch einen viel höheren Stellenwert als in Europa. Die Kartenübergabe erfolgt nach strengen Riten. So muss immer die ranghöhere oder im Privatleben die ältere Person sie der Rangniederen oder jüngeren mit beiden Händen und einer Verbeugung überreiche. Der Empfänger dagegen muss sie genau betrachten und darf sie auf keinen Fall unbesehen einstecken, schon gar nicht in die Gesäßtasche oder Hosentasche. Das wäre extrem unhöflich. Auch wenn wir Europäer das nicht so eng sehen, sollte niemand eine schmuddelige oder zerknitterte Visitenkarte überreichen. Am besten bewahrt man sie in einem entsprechenden Visitenkartenetui,einer Hülle oder in der Brieftasche auf.

Visitenkarte zu sammeln als hoch oder querformat
Eine Visitenkarte gibt es für Sammler im Hoch oder Querformat

Visitenkarten sammeln, ein interessantes Hobby

Gegenüber dem Sammeln von Briefmarken oder Münzen ist das Sammeln von Visitenkarten und Klappvisitenkarten kein sehr weit verbreitetes Hobby. Trotzdem gibt es nicht wenige Menschen, die es pflegen. Einige tun es wahrscheinlich nur, um zu zeigen, mit wie vielen Menschen sie Kontakt haben, andere einfach deshalb, weil sie sich für die Kartengestaltung, die Ausschmückung, den Druck und die vielfältigen Motive auf der Rückseite interessieren.

Es gibt Auktionshäuser mit speziellen Auktionen für Visitenkarten-Sammler, Online Portale für Visitenkarten-Sammler und diverse Fachliteratur für dieses Sammelgebiet. Bei Ebay, auf Flohmärkten und in Foren werden Visitenkarten verkauft, gekauft oder getauscht. Interessant sind vor allem solche Visitenkarten, auf denen zusätzlich von Hand geschriebene Hinweise vorhanden sind. Bei sehr alten Visitenkarten geschah das häufig mit Kürzeln französischer Begriffe. Schließlich bedienten sich die damaligen „höheren Kreise“ besonders gern dieser Sprache. So bedeutet zum Beispiel das Kürzel „pg“ pour condoler und ist ein Ausdruck für die Kondolenz bei einem Todesfall und das Kürzel „pf“ pour feliciter und bedeutet Glückwunsch zum Geburtstag, zur Hochzeit oder ähnliches.

Visitenkarten sind immer auch Zeitzeugen. Sie spiegeln die Gesellschaft und die Geschäftswelt ihrer Entstehungszeit und das ist schon sehr interessant. Anhand von Visitenkarten kann man auch die Fortschritte der Buchdruckkunst und der Grafik sehr gut erkennen.Visitenkarten sammeln zählt zu dem Sammelgebiet Epehmera. Das griechische Wort steht für Gegenstände, die zu einmaligem Gebrauch bestimmt sind und keinen hohen Materialwert haben. Eintrittskarten gehören dazu, aber auch Fahrscheine, Lesezeichen, Postkarten, Werbung und ähnliches. Ephemera sind fast immer aus Papier oder Pappe.

 

Jasmin Schmidt

Jasmin Schmidt ist Redakteurin bei Overnightprints. Recherchen zu Branchenentwicklungen im Druckbereich, neue Drucktechnologien sowie Marketingstrategien mit Printmedien und klimaneutrale Produktion gehören zu den bevorzugten Themengebieten.

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